Video-Management-Software, meist VMS genannt, ist das Programm hinter einem Überwachungskamerasystem. Sie verbindet IP-Kameras, zeigt ihre Livebilder, zeichnet Videos auf, hilft später beim Suchen und Exportieren und regelt, wer welche Kamera sehen darf. Besucher bemerken die Kameras an den Wänden. Das Sicherheitsteam verbringt den Großteil seines Arbeitstags dagegen in der Software.
Dieser Leitfaden erklärt ihre Aufgaben, den Kompatibilitätscheck für vorhandene Kameras, die Produktauswahl und die Kosten einschließlich Speicher. Eine Beispielrechnung zeigt, wie sich der Speicherbedarf mit eigenen Zahlen berechnen lässt.
Kurz gesagt
- Eine VMS verbindet IP-Kameras, zeichnet auf, spielt Videos ab, exportiert Aufnahmen und verwaltet Zugriffsrechte.
- Für die Kompatibilität sind vor allem zwei Standards wichtig: RTSP für den Videostream und ONVIF für Erkennung und Steuerung.
- Meist bestimmt der Speicher die Gesamtkosten stärker als die Lizenzen.
- Das passende Produkt hängt von Kamerabestand, Standortzahl und den Menschen ab, die damit arbeiten.
Was leistet Video-Management-Software für die Sicherheit?
Jede VMS erfüllt dieselben Grundaufgaben. Für den späteren Vergleich zählt, wie gut sie diese erledigt:
- Kameras verbinden. Eine IP-Kamera ist ein kleiner vernetzter Rechner, der Video aufnimmt und als Stream bereitstellt. Die Software findet die Kamera, fordert den Stream an und hält die Verbindung. Die meisten Kameras liefern zwei Streams: einen hochauflösenden Hauptstream für die Aufzeichnung und einen leichteren Nebenstream für Smartphones oder Ansichten mit vielen Kameras.
- Livebilder anzeigen. Mitarbeitende betrachten mehrere Kameras im Raster, speichern Ansichten für verschiedene Schichten und nutzen bei geeigneten Kameras Audio, Gegensprechen sowie gespeicherte Schwenk-, Neige- und Zoompositionen, kurz PTZ.
- Aufzeichnen. Videos werden durchgehend, bei Bewegung oder nach Zeitplan gespeichert. Die Aufbewahrungsdauer bestimmt, wann ältere Aufnahmen überschrieben werden.
- Suchen und exportieren. Nach einem Vorfall müssen die entscheidenden Minuten schnell gefunden und mit korrekten Zeitstempeln für Versicherung oder Polizei exportiert werden.
- Benutzer und Berechtigungen verwalten. Die Standortleitung sieht ihr eigenes Gebäude, ein Auftragnehmer nichts, die Sicherheitsleitung gegebenenfalls alle Standorte.
- Ereignisse und Systemzustand überwachen. Dazu gehören Bewegung, eine nicht mehr erreichbare Kamera oder eine volle Festplatte. Reine Bewegungserkennung erzeugt viele Meldungen, weil auch Bäume, Scheinwerfer und Regen Bildpunkte verändern. Die meisten Produkte lassen die Erkennung deshalb auf Bereiche wie einen Eingang begrenzen.
Video-Management-Software für IP-Kameras
Zuerst zählt die Kompatibilität mit dem vorhandenen Bestand. Zwei Standards beantworten einen Großteil dieser Frage. RTSP, das Real Time Streaming Protocol, übergibt den Videostream einer Kamera an die Software. Fast alle IP-Kameras bieten es an, auch viele ältere und preiswerte Modelle. ONVIF ist ein Branchenstandard zum Erkennen und Steuern von Kameras ohne herstellerspezifischen Code. Seine Profile teilen die Aufgaben auf: Profile S deckt grundlegendes Streaming ab, Profile T ergänzt H.265 und erweiterte Streamingfunktionen, Profile G betrifft Aufnahmen auf der Kamera selbst. Eine ONVIF-Kamera lässt sich meist schneller hinzufügen. Mit reinem RTSP kann sie ebenfalls funktionieren, unter Umständen muss ihre Streamadresse aber von Hand eingegeben werden.
Vor dem Kauf lohnt sich eine Bestandsaufnahme jeder installierten Kamera:
- Hersteller, Modell und Firmwareversion erfassen. Eine Tabelle genügt.
- Die RTSP-Adresse jedes Modells in der Herstellerdokumentation nachschlagen. Sie folgt einem Muster wie
rtsp://user:password@camera-address:554/stream-path. Lässt sie sich in einem kostenlosen Mediaplayer auf einem Laptop öffnen, kann die Kamera ihren Stream an Software liefern. - Den Codec notieren. H.264 lässt sich fast überall abspielen. H.265 benötigt bei ähnlicher Qualität ungefähr die halbe Bitrate, wird aber nicht von jedem Produkt oder Browser decodiert.
- Benötigte Zusatzfunktionen wie Audio, Gegensprechen und PTZ-Positionen testen. Häufig funktioniert das Basisvideo, während diese Funktionen fehlen.
- Vor einer Entscheidung je eine Kamera jedes Modells in einer Testversion anbinden, denn Kompatibilitätslisten nennen selten Firmwareversionen.
Eine mögliche Falle ist die Herstellerbindung. Manche Recorder unterstützen nur die eigenen Kameras vollständig und behandeln andere Marken als einfache Streams ohne Zusatzfunktionen. Das ist unproblematisch, solange ausschließlich eine Marke gekauft wird, kann aber teuer werden, wenn ein Gebäude mit einem anderen Bestand übernommen wird. Die Frage, welche Funktionen mit Fremdkameras arbeiten, sagt deshalb mehr aus als die bloße Frage, ob sie sich verbinden lassen.
Wenn ohnehin neue Kameras beschafft werden, gehören RTSP-Unterstützung und die benötigten ONVIF-Profile an den Anfang der Anforderungsliste. Kilo Electronics führt Überwachungstechnik. Für Kameras anderer Anbieter gelten dieselben Prüfungen.
Wer unabhängig von einer Kameramarke bleiben möchte, kann mit Kilo Lens Kameras neben den Sensoren in Kilo einbinden. Dafür braucht die Kamera lediglich einen RTSP-Stream, den die meisten IP-Kameras einschließlich älterer Modelle anbieten. Kameras beliebiger Hersteller und beliebig vieler Standorte erscheinen gemeinsam in einer Kilo-Organisation. Auch die Bewegungsmeldung einer Kamera lässt sich wie ein Sensorwert in einer Regel verwenden. Eine Regel ist der Teil von Kilo, der festlegt, was beim Eintreten einer Bedingung geschieht. So kann ein Alarm nur dann entstehen, wenn Bewegung an einer Laderampe mit der Offenmeldung des dortigen Türsensors zusammenfällt.
Wie wählt man die passende Video-Management-Software?
Es gibt keine VMS, die für alle die beste ist. Eine Lösung für einen Kontrollraum mit 200 Kameras kann für zwölf per Smartphone überwachte Geschäfte ungeeignet sein, und umgekehrt. Übertragbar ist die Art, wie ein Produkt am tatsächlichen Betrieb gemessen wird:
- Wie viele Standorte gibt es, und wer überwacht sie? Ein Gebäude mit besetzter Pforte braucht andere Werkzeuge als 40 Geschäfte, die eine Regionalleitung am Smartphone kontrolliert.
- Wo sollen Aufnahmen liegen: auf einem Recorder je Standort, einem zentralen Server oder in der Cloud? Das verändert Bandbreite, Kosten und die Folgen eines gestohlenen Recorders.
- Wie funktioniert der Export? Einen Clip mit Zeitstempeln anfordern und prüfen, ob der Empfänger ihn ohne herstellereigenen Player abspielen kann.
- Wie lange erhält das Produkt Sicherheitsupdates? Recorder und Server stehen im eigenen Netzwerk. Deshalb zählen Dauer des Supports und Installationsweg für Updates.
- Wer arbeitet täglich damit? Eine Oberfläche für geschulte Leitstellenkräfte kann eine Gebäudeverwaltung verwirren, die sie nur zweimal pro Woche öffnet. Die tatsächlichen Nutzer gehören deshalb in den Produkttest.
Der Test sollte am schwierigsten Standort stattfinden: mit den ältesten Kameras, der schwächsten Internetverbindung und den meisten unterschiedlichen Zugriffsrechten.
Was kostet Video-Management-Software pro Kamera?
Die meisten Anbieter berechnen pro Kamera, auch Kanal genannt, jedoch nach unterschiedlichen Modellen. Eine Dauerlizenz wird einmalig pro Kamera bezahlt, häufig ergänzt um optionale jährliche Gebühren für Updates und Support. Ein Abonnement fällt monatlich oder jährlich pro Kamera an und umfasst meist Updates sowie bei Cloudprodukten das Hosting. Bei Recordern ist die Software mit einer festen Kanalzahl im Gerätepreis enthalten. Zusätzlich berechnen manche Produkte Gebühren je Standort, Bedienplatz oder Funktionsmodul, etwa für Videowände oder Analysen.
Die Lizenz ist oft der kleinere Posten, weil Speicher meist mehr kostet. Der Bedarf lässt sich gut abschätzen. Als Beispiel dient eine 1080p-Kamera, die durchgehend mit vier Megabit pro Sekunde aufzeichnet, einer typischen H.264-Einstellung. Ein Tag hat 86.400 Sekunden. Die Kamera schreibt damit täglich 345.600 Megabit, also 43,2 Gigabyte. Bei H.265 und ähnlicher Qualität könnten etwa zwei Mbit/s und die halbe Kapazität genügen. Für 16 Kameras ergibt sich folgender reiner Speicherbedarf:
| Aufbewahrung | H.264 mit 4 Mbit/s | H.265 mit 2 Mbit/s |
|---|---|---|
| 7 Tage | 4,8 TB | 2,4 TB |
| 14 Tage | 9,7 TB | 4,8 TB |
| 30 Tage | 20,7 TB | 10,4 TB |
Redundanz ist dabei nicht enthalten. Ein RAID-Verbund oder eine zweite Kopie benötigt zusätzliche Kapazität. Reine Bewegungsaufzeichnung kann an einem ruhigen Hintereingang viel sparen, an einer belebten Haupttür dagegen wenig. Deshalb hilft eine Woche Messung im tatsächlichen Betrieb, bevor mit der Einsparung gerechnet wird. Den Nebenstream statt des Hauptstreams aufzuzeichnen, senkt den Bedarf ebenfalls, kostet aber Details, die zum Lesen eines Kennzeichens oder Erkennen eines Gesichts nötig wären.
In dieselbe Kalkulation gehören außerdem:
- Server oder Recorder sowie neue Festplatten alle paar Jahre;
- Betriebssystemlizenzen und Arbeitszeit für Updates;
- Internet-Uploadkapazität, falls Videos den Standort verlassen;
- Installation und Konfiguration je Kamera und Standort;
- Ersatz für Kameras, die von der Software nicht unterstützt werden.
Ein fairer Vergleich betrachtet fünf Jahre bei der tatsächlichen Kamerazahl, Aufbewahrungsdauer und Standortzahl. Eine günstige Dauerlizenz kann teurer als ein Abo werden, sobald Server, Festplatten und Wartungsstunden dazukommen. Auch das Gegenteil ist möglich, etwa an einem großen Standort, dessen vorhandener Serverraum die Hardware ohnehin aufnehmen kann.
Häufige Fragen zu Video-Management-Software
Ist eine VMS dasselbe wie ein NVR?
Nicht ganz. Ein NVR, also Network Video Recorder, ist ein Gerät mit eingebauter Aufzeichnungssoftware und Festplatten, meist für eine feste Zahl wie acht, 16 oder 32 Kameras. VMS ist der umfassendere Begriff: Die Software kann auf einem NVR, einem eigenen Server oder in der Cloud laufen. Ein DVR ist das ältere analoge Gegenstück und zeichnet Kameras über Koaxialkabel statt über das Netzwerk auf.
Gibt es kostenlose Video-Management-Software?
Ja, mit Einschränkungen. Mehrere Anbieter bieten kostenlose Versionen für wenige Kameras oder ohne Funktionen wie standortübergreifende Verwaltung an. Auch Open-Source-Projekte existieren. Entscheidend ist, ob eine kostenlose Version weiterhin Sicherheitsupdates erhält: Ein ungepatchter Recorder im Netzwerk kann Angreifern einen Zugang bieten.
Wie lange sollte eine VMS Aufnahmen speichern?
Das hängt vom Zweck und vom Einsatzort ab. In der EU empfehlen die Leitlinien des Europäischen Datenschutzausschusses zu Videogeräten, Aufnahmen in den meisten Fällen nach wenigen Tagen zu löschen. Eine Speicherung über 72 Stunden hinaus braucht eine stärkere Begründung. In anderen Regionen bestimmen Branchenregeln oder eine eigene schriftliche Richtlinie die Dauer. Sie sollte vor der Speicherplanung feststehen.
Kann eine VMS in der Cloud laufen?
Ja, in zwei Varianten. Manche Lösungen laden jeden Stream in die Cloud. Dafür ist dauerhaft Uploadbandbreite nötig: 16 Kameras mit je vier Mbit/s benötigen rund um die Uhr 64 Mbit/s Upload. Hybride Produkte verwalten Kameras im Browser, speichern Aufnahmen aber auf einem Gerät am jeweiligen Standort. Videos verlassen das Gebäude dann erst beim Ansehen oder Herunterladen.
Das lässt sich mit einer vorhandenen Kamera ausprobieren. Zuerst ihre RTSP-Adresse am Laptop öffnen und den Stream prüfen. Dann die Kamera über einen Twin mit Kilo Lens verbinden. Der Twin ist das kleine Programm, das auf einem freien Rechner am Standort läuft. Anschließend eine Bewegungszone über der relevanten Tür einzeichnen, einen Funk-Türkontakt anbringen und eine Regel erstellen, die nur alarmiert, wenn sich die Tür öffnet und zugleich Bewegung in der Zone erkannt wird. Nach einer Woche zeigt sich, wie viele Bewegungsmeldungen der Kamera durch den Türsensor herausgefiltert werden.